Tag 7

Für die verbleibenden vier Flugzeuge beginnt der Rückflug. Wir starten von Ibo Richtung Süden. Die Aussicht auf AVGAS zwingt uns in Pemba zur Landung. Für die ca. 660 nm bis nach Beira ist es bereits zu spät. Wir beschließen in Pemba zu bleiben und übernachten für 160 US$ p.P. mit fürstlichem Service im Pemba Beach Hotel.

Tag 9 unserer Reise beginnt mit gleisendem Sonnenschein. Ein heißer Tag mit starker Thermik und donnerndem Abschluß kündigt sich an. Einen offiziellen Flugwetterbericht erhalten wir in Pemba nicht. Wir verlassen uns auf den Weather Forecast eines bekannten Mercy Air Piloten der gerade aus dem Süden kommt. Seine Vorhersage für die Region Beira: ab 15:00 Thunderstorm! Bis dahin haben wir bei der üblichen Vr von 110kt noch 5h Flug vor uns. Für unterwegs prophezeit er uns ab und zu Regenschauer. Leichter Rückenwind aus 30°/10kt, CAVOK mit 4/8 SCT. Also nichts was uns gegenwärtig beunruhigt. Für die ca. 6h Flugzeit sind die Tanks pro Maschine mit 120L AVGAS gut gefüllt. Die Reise nach Süden kann beginnen!

Zum „Übergewicht“ unserer ultraleichten Begleiter machen wir uns keine Gedanken. Die in Südafrika von Rainer Friböse gefertigten Flugzeuge unterscheiden sich von den in Europa gefertigten ULs gleichen Typs durch etliche Maßnahmen zur Verbesserung der Festigkeit. So werden z.B. verstärkte oder doppelte Holme verbaut und die Materialdicke der Zelle, Ruder und tragenden Teile ist stärker bemessen. Auch die Anlenkung der Ruder lässt manche E-Klasse blass aussehen. Von der Avionik ganz zu schweigen. Glasscockpit, Garmin GPS mit Moving Map, Transponder, Autopilot, Verstellpropeller, großer Kühler und verstärktes Fahrwerk für die Landung auf Buschpisten gehören hier fast schon zum Standard. Dass die Flugzeuge dadurch „etwas mehr“ auf die Waage bringen, stört in Südafrika niemand. Im Vordergrund steht die Festigkeit und Sicherheit. Das dies notwendig ist, haben uns einige Flüge über die Namib Wüste gezeigt. Dort kann es zu thermischen Ablösungen kommen welche für schwach gebaute ULs bei Geschwindigkeiten um 100kt bedrohlich werden können. In Deutschland würden diese Maschinen wegen ihrem Gewicht jenseits der 472,5kg Grenze nur eine Zulassung als VLA erhalten. Bisher haben uns Material und Verarbeitung der „Microlights“ von WingTracks auf unserer Flugreisen durch das südliche Afrika auch unter „harten Bedingungen“ nie im Stich gelassen. Es ist das gute Gefühl, überall sicher anzukommen. Die in Südafrika erworbenen Lizensen berechtigen uns Maschinen bis 600 kg zu fliegen.

Flussmündung

Obwohl der Kraftstoff die bis Beira berechnet wurde, beschließen wir zu Tanken. Wer weiß, welche Umwege auf der Strecke noch erforderlich sein werden. Nach kurzer Absprache per Funk dreht die Samba Formation auf 230°. Wir fliegen ins Landesinnere Richtung Nampula. Nach 1,5 Flugstunden erreichen wir Nampula Airport (FQNP). Wieder einmal war der Buschfunk schneller als wir. Man ist bestens informiert: „Ihr seid doch die Gruppe aus Ibo?! Dort ist doch ein Flugzeug von Euch abgestürzt?! Wo sind eigentlich die beiden Piloten?... Sie sollen das Land illegal verlassen haben!“ Dieser News gibt es nichts hinzuzufügen. Wir schweigen, tanken randvoll – es gibt AVGAS. Die 2.000m lange Piste von Nampula verlassen wir Richtung 23 mit dem Gefühl, dass wir zu Personen des „öffentlichen Interesses“ geworden sind.

Dschungel

Nach kurzer Zeit ändern wir den Kurs Richtung 140° und fliegen zur Küste zurück. Das Zambesi Delta wollen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen.

Nach 2,5h Flug erreichen wir Chinde, den nördlichen Vorposten des Zambesi Delta. Auf einer Länge von 150km mäandern hier unzählige Flussläufe durch dichte Mangrovenwälder um ihr silbrig-graues Wasser in den indischen Ozean zu ergießen. Es ist ein grandioses Schauspiel der Farben. Sattes dunkles Grün mit Silberstreifen. Es ist spürbar: jeder Gegenstand der hier vom Himmel fällt, wird vollständig von der üppigen Vegetation verschluckt. Plätze für eine Aussenlandung gibt es hier nicht. Wie immer vertrauen wir dem Rotax, der von unseren Gedanken nichts weiß.

In der Ferne wachsen bereits die ersten Cumulo Nimbus zu stattlichen Türmen heran und verstellen uns den Flugweg. Der Himmel beginnt die Farbe von Quecksilber anzunehmen. Genau dort müssen wir hin. Es trennt uns nur noch eine Flugstunde vom Ziel. Pieter hat es ja gesagt: „Thunderstorm“! Es beginnt zu regnen. Die Sicht wird spürbar schlechter und unsere Formation verliert sich im Dunst. Jede Maschine ist jetzt auf sich allein gestellt. Vincenzo, mein CoPilot und ich überlegen, ob es sich lohnt 80nm in westliche Richtung auszuweichen. Laut Karte soll es in Inhaminga einen Flugplatz geben. „Soll es…“ heißt hier gar nichts! Die Karte ist voll mit Flugplatz-Symbolen. Tatsächlich sind nur wenige Plätze in Betrieb bzw. zur Landung nutzbar.

was da kommt ist nichs gutes

auch wenn es am Abend richtig romantisch wirkt

Die Gewitterzellen befinden sich auf halbem Weg zwischen Zambesi Delta und Beira. Da sich noch keine Front gebildet hat, ist ein Umfliegen möglich. Wir haben Glück! Nach ca. 6h Flugstunden und unzähligen Eindrücken kommt endlich die 2.400m lange Runway des International Airport von Beira (FQBR) in Sicht. Der Controller macht uns bereits mit Einflug in die CTR auf den starken Verkehr am Platz aufmerksam. Später sehen wir was er meint: eine Maschine im Anflug, eine in der Platzrunde und eine auf dem Taxiway unterwegs zur Abstellfläche. Also kein Grund zur Aufregung. Nach einer kurzen Landung werden wir sofort nach dem Abrollen von einem Einweiser in die Park Position direkt neben einer Boeing gelotst. Neben dem LKW der Lüfte kommen wir uns mikroskopisch klein vor. Die Boeing ist offensichtlich noch in Bewegung und rollt dicht neben uns auf die Box. Vincenzo und ich ertappen uns beim selben Gedanken: „hoffentlich übersieht der uns nicht!“. Die Passagiere hinter den Bullaugen zwei Etagen über uns zeigen mit dem Finger auf unseren Flieger. Es sieht aus wie die stumme Frage: „Kann das wirklich fliegen…?“. Wir kommen uns vor wie bunte Hunde. Wenigstens sind die anderen Maschinen unserer Gruppe bereits eingetroffen. Niemand ist im Buschland verloren gegangen.

Mit ca. 500.000 Einwohnern ist Beira die zweitgrößte Stadt Mosambiks und Hauptstadt der Provinz Sofala. Der erste Eindruck hinterlässt eine seltsame Mischung. Koloniale Architektur trifft Plattenbau aus Berlin-Marzahn. Die Bausünden aus sozialistischer Epoche passen nicht ins Stadtbild. Nur der Zustand scheint gleich zu sein. Die Plattenbauten aus den 70er Jahren sehen genauso alt aus wie ihre 400 Jahre alten Nachbarn.
Ein Rundgang durch die Stadt lässt uns daran zweifeln, ob wir wirklich in Afrika – und nicht 10.000km weiter östlich gelandet sind. In der Stadt sind viele chinesische Geschäftsleute unterwegs. Wir erfahren, dass der Hafen der Stadt und einige Minen im Landesinneren das chinesische Interesse geweckt haben. Wie überall in Afrika sind auch hier chinesische Firmen unterwegs, um Rohstoffe, Beteiligungen oder Förder-Konzessionen einzukaufen. Ob das zur Entwicklung der eigenen Wirtschaft in Mosambik beiträgt wird sich in den kommenden Jahren zeigen.
Für 60€ p.P. übernachten wir im Hotel Embaixador, einem großen Hotel mit gutem Standard. Vor dem Hoteleingang gibt es einen kurzen Tumult, als chinesische Männer mit einigen lokalen Prostituierten um den „Leistungspreis“ feilschen. Flüche werden laut und es kommt fast zu Handgreiflichkeiten, aber… man wird sich schließlich handelseinig. Die Frauen geben nach. Vielleicht haben sie keine andere Wahl? Hoffentlich kein Sinnbild für die zukünftige Entwicklung.

Nach dem anstrengenden Flug bietet uns der Abend einen kulinarischen Höhepunkt. Es gibt Lobster, Prawns und andere maritime Delikatessen. Die Stadt ist interessant und voller Leben. Gerne würden wir einige Tage länger bleiben, aber wir müssen zurück nach Südafrika. Deshalb machen wir die Nacht zum Tag und versuchen Kopf und Herz mit neuen Eindrücken vollzustopfen.

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